Nele Fischer
Nele Fischer
Steffen Neumann
Steffen Neumann
Almut Undisz
Almut Undisz

PROGRAMMBEIRAT ANIMATIONSFILM

Fruchtbare Animationsfilme: Weiche Schale, harter Kern.

Der Animationsfilm zeichnet sich durch eine Vielzahl von Macharten aus. Wir wollenihn darin nicht beschränken, denn diese Diversität bringt Farbe. Und dennoch darf die Machart nicht beliebig sein. Sie muss sich begründen. Sie soll Inhalte tragen und stützen – eine Schale, die die Frucht hält. Und diese Schale soll weich sein. Uns ist eine individuelle, kreative und liebevolle Optik mit charakteristischer Wirkung wichtig.

Das Fruchtfleisch ist die Struktur. Die Geschichte. Mal süß, mal bitter, scharf oder saftig bettet sie den Kern. Der Animationsfilm hat viele Möglichkeiten seine Geschichte zu erzählen. Wir suchen Filme, die die Spannung zwischen Schale und Kern tragen können, die ihre spezifischen Gestaltungsmittel nutzen, um packend, überraschend und konsequent zu erzählen.

Der Kern selbst, der Inhalt, ist uns das Wichtigste bei den Filmen. Und wir suchen einen harten Kern: Themen, die zum Nachdenken anregen, die aufrütteln und die Kommunikation loslösen. Ein Kern, der den Film nicht aufhören lässt, wenn er zu ende ist, der dem Film Tiefgang verleiht. Wir suchen individuelle, kleine Geschichten, die für das Große stehen.

Am Ende müssen alle drei – Schale, Fruchtfleisch und Kern – zusammen eine Frucht ergeben.

Nele Fischer, Almut Undisz und Steffen Neumann
Programmbeirat Animationsfilm

Sascha Leeske
Sascha Leeske
Katja Ziebarth
Katja Ziebarth
Lars Fischer
Lars Fischer

PROGRAMMBEIRAT KURZSPIELFILM

Viel mehr als nur Kulisse – Der Raum sollte mitspielen
Über Kurzspielfilme, die wir am liebsten auf der Provinziale zeigen.

Die maximal 30 Minuten langen Filme, die wir jedes Jahr aus vielen Räumen dieser Welt eingesandt bekommen und für den Wettbewerb der Provinziale sichten, beleuchten fast alle denkbaren Dimensionen menschlichen Lebens und Zusammenlebens . Von Drama über Komödie bis zum filmischen Experiment ist auch formal alles dabei. In diesem Universum von Kommentaren zum Hier und Jetzt unserer Gesellschaft gehen wir auf die Suche nach Filmen, in denen der Raum, in dem die Protagonisten leben, arbeiten, gestalten, eine wichtige Rolle für die Charaktere und die erzählte Geschichte spielt.

Menschen sind räumliche Wesen, unser Leben ist an die praktische Aneignung von Räumen und Landschaften gebunden. Der uns umgebende Raum ist Produkt und Ausdruck unseres gesellschaftlichen Lebens. Er schreibt sich ein in die Menschen, in ihre sinnlichen Vermögen. Es macht zum Beispiel einen Unterschied, wo jemand aufwuchs. Ob Kleinstadt, Dorf, Einsiedelei, metropolitaner Schmelztiegel, Heimat oder Fremde, mit oder ohne Wohnung: Die räumliche Bedingtheit des Lebens soll ins Spiel und zu ihrem Recht kommen. Wir suchen Filme, in denen der Raum, in dem die Geschichte spielt, mehr als nur eine Kulisse ist. Denn er ist das, worin individuelles wie gesellschaftliches Leben Gestalt gewinnt, egal ob der Einzelne dabei scheitert oder gewinnt.

Natürlich spielt die filmische Qualität eine wichtige Rolle – ein schlecht gemachter Film kann keine gute Geschichte erzählen – aber für unsere Auswahl ist sie nicht allein ausschlaggebend. Die künstlerische Kraft der Filme hängt auch davon ab, ob es ihnen gelingt, uns in ein Verhältnis zur Welt zu setzen – uns zu bewegen, uns eine Stellungnahme abzuverlangen. Wir suchen Filme, die uns so herausfordern, dass wir andere Filmbegeisterte an unseren Filmerlebnissen teilhaben lassen und mit ihnen ins Gespräch kommen wollen.

Jedes Jahr finden wir unter den Einsendungen mehr Filme, die vor diesen Ansprüchen bestehen. Das bestärkt uns, die Suche nach – im besten Sinne des Wortes – raumgreifenden kurzen Spielfilmen für die PROVINZIALE fortzusetzen.

Katja Ziebarth, Sascha Leeske und Lars Fischer
Programmbeirat Kurzspielfilm

Tim Altrichter
Tim Altrichter
Tobias Hartmann
Tobias Hartmann
Thomas Winkelkotte
Thomas Winkelkotte

PROGRAMMBEIRAT KURZDOKUMENTARFILM

Blick provinzieller Lebenswelten schärfen

Kurze und lange Dokumentarfilme sind kaum vergleichbar, da sie sich in viel mehr unterscheiden als nur in der Länge. Oft muss neben einem interessanten Stoff oder herausragenden Protagonisten eine ganz eigene Form der Erzählung gefunden werden, um eine sehenswerte Kurzdokumentation zu schaffen. Es braucht Mut und Geschick, um ein Thema kompakt darstellen zu können, schnell auf den Kern der Erzählung zu kommen und den Zuschauer bestenfalls trotzdem gut zu unterhalten. Daher widmen wir der Erzählform große Aufmerksamkeit. Wir sehen den kurzen Dokumentarfilm als eigenständiges, emanzipiertes Format mit großem Potential in einer im Wandel befindlichen Medienlandschaft.

Der Wettbewerb ist aufgrund der Vielfältigkeit des kurzen, dokumentarischen Formats weit gefasst, sodass jede Erzählform von Portraits über Collagen, Reportagen, künstlerische Essays bis zu gemischten Genres berücksichtigt werden kann. Dabei soll der thematische Fokus der Provinziale deutlich erkennbar sein. Im Mittelpunkt stehen die Beziehungen von Menschen zu ihrem Lebensraum sowie soziale, wirtschaftliche und persönliche Konflikte in der Landschaftsnutzung und deren Veränderung. Dabei interessieren uns sowohl regionale, individuelle als auch internationale Perspektiven.

Unser Ziel ist es, die Kurzdokumentationen im Wettbewerb in einen Dialog zum Thema Provinz treten zu lassen. Die verschiedenen Beiträge sollen in der gemeinsamen Darstellung ein größeres Ganzes bilden. Das provinzielle verschafft sich dabei eine eigene Projektionsfläche, durch Einblicke in Lebenswelten, die sonst schnell übersehen oder vergessen werden.

Tim Altrichter, Tobias Hartmann und Thomas Winkelkotte
Programmbeirat Kurzdokumentarfilm

Udo Muszynski
Udo Muszynski
Sven Wallrath
Sven Wallrath
Kenneth Anders
Kenneth Anders

PROGRAMMBEIRAT DOKUMENTARFILM AB 45′

Jedem Menschen seine Provinz!

Erneut wurden in diesem Jahr etwa 120 Filme für unseren Wettbewerb eingereicht. Die meisten haben wir von Anfang bis Ende angeschaut, weil sie durchaus in unser Festival passten. Es freut uns, dass sich das Interesse der Provinziale, am Verhältnis von Raum und Mensch zu arbeiten, herumgesprochen hat und dass eingeladene Filmemacher auf unsere entsprechenden Anfragen reagieren. Aber das Ganze führt auch zu Schwierigkeiten bei der Auswahl. Welche Filme soll man in den Wettbewerb schicken, wenn doch so viele für uns relevant sind?

Da hilft nur eine Entscheidung mit allen Sinnen. Wir müssen den Filmen über den Weg trauen. Was wollen sie uns mitteilen? Wie haben die Filmemacher mit ihren Protagonisten gearbeitet? Stehen die technischen Mittel in einem angemessenen Verhältnis zum erzählerischen Anliegen? Wollen sie Fragen beantworten oder Fragen qualifizieren? Haben wir das Gefühl, genug zu erfahren, um uns ein Urteil bilden zu können? Oder ist der Pfad, auf dem wir gehen sollen, längst vorgezeichnet? Filme, denen wir in dieser Hinsicht über den Weg trauen, gefallen uns. Sie bringen viele Dinge miteinander in Einklang – Beschreibung, Empathie, Können, Klarheit. In dieser Hinsicht sind sie schön, auch wenn sie traurig stimmen.

Menschen leben an einem Ort – und wo sie ihn fliehen müssen, befinden sie sich immer irgendwo. Diesem Irgendwo und wie es unser Leben prägt, bleiben auch die Filme des diesjährigen Wettbewerbs verpflichtet. Dabei kreisen besonders viele Arbeiten um die Frage, wo das menschliche Leben nach Zerstörung, Verarmung und Vertreibung Schutz, Sicherheit und Zukunft findet. So spannt sich ein Bogen von wohnungslosen Kindern in Ungarn bis zu Menschen, die in der verstrahlten Gegend von Tschernobyl ausharren, weil sie hier ihre Heimat sehen. Beurteilen wollen wir diese Lebensentwürfe nicht – wohl aber verstehen. Jedem Menschen eine Provinz, oder auch: Frieden für uns alle!

Kenneth Anders Udo Muszynski Sven Wallrath
Programmbeirat für die langen Dokumentarfilme